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Der Weg zum Lattentreffer
Hier möchte ich mal etwas schreiben über eine recht komplizierte Angelegenheit beim Skifahren, nämlich dem Kaufen des richtigen Ski.
Vielleicht fragen sich nun einige, was daran so kompliziert sein kann, doch bei der heutigen Produktvielfalt und gleichzeitig immer wieder neu auftauchenden Nischenmodellen, bzw. ganzen Nischenkategorien, kann man schnell verzweifeln, ob man denn auch wirklich den richtigen Ski hat.
Was macht die Sache so kompliziert?
Hier gibt es gleich mehrere Faktoren. Zum einen wäre da natürlich zu nennen, das nur sehr wenige einen Ski testen können, bevor sie ihn erwerben. Das liegt zum einen daran, dass nicht jeder gleich in direkter Nachbarschaft eines Skigebiets wohnt, zum anderen aber auch daran, dass man nicht so leicht an Testski kommt. Man muss sich also vielfach auf die Qualität des entsprechenden Verkaufsberaters verlassen.
Nun kommt noch erschwerend hinzu, dass man sich selber auch vernünftig einschätzen muss, in welche Skirichtung es denn gehen soll, das heißt:
- Wie gut bin ich wirklich auf Skiern unterwegs?
- In welchem Gelände bewege ich mich vornehmlich?
- Was erwarte ich von meinem Ski?
- Wieviel bin ich bereit zu investieren?
- Wie lange möchte ich meinen Ski fahren?
- Wieviele Tage fahre ich wirklich reell pro Saison/Jahr?
Ihr seht, es gibt da doch schon eine menge Fragen, die ich mir persönlich stellen muss, um mich wirklich den passenden Brettern zu nähern.
Hinzu kommt dann natürlich noch der persönliche Geschmack, denn in jeder Skikategorie, die ich auf der Unterpage kurz vorstelle, tummeln sich auch immer mehrere Hersteller, so dass neben den technischen Gesichtspunkten auch immer wieder das Skidesign ein absolut entscheidendes Kriterium für den einzelnen ist. Auch wenn dies prinzipiell verkehrt ist, aber dass ist wieder ein gaaanz eigenes Kapitel.
Summa sumarum kann man also zusammenfassen, dass der Weg zum Traumski ein Findungsprozess darstellt, der mit so einigen Kompromissen verbunden ist.
Wie komme ich zu meinem Idealski?
Zum einen nur über einen Weg: Ich muss ehrlich zu mir selbst sein. Klar, die neiderfüllten Blicke der anderen Skifahrer, mit denen ich mir morgens die Bahn auf den Berg teile, das hat schon was für den Ego, auch wenn man beim Apres-Ski diese superneuen Latten in der Hand hält, wie sie der Eberharter doch diese Saison auch fährt.. uuuih... macht mich das schnell? Werde ich dadurch sicherer auf meinen Brettern? .. Glattes NEIN.
Wenn man nicht gerade zu denen gehört, die ihren Lebensinhalt im nackten Speed sehen, wenn man nicht über seinen Skiklamotten noch die obligatorische Stopuhr trägt, sollte man von diesen Modellen weitestgehend die Finger lassen. Sie könnten einem wirklich weh tun und das sollte man durchaus wörtlich nehmen.
Im günstigsten Fall (sowohl für einen selbst, oder auch für einen vernünftigen Verkäufer(!!!) ) zählt man sich zu den blutigen Anfängern. Hier kann man eigentlich extrem wenig verkehrt machen, wenn man sich an ein günstiges Allroundmodell orientiert.
Worauf sollte ich da achten? Der Ski sollte über eine gute Drehfreudigkeit verfügen, und auch einen vernünftigen Geradeauslauf bis zum mittleren Tempobereich besitzen. Was aber noch viel wichtigerer ist, ist dass der Ski absolut fehlerverzeihend sein muss. Ein Ski, der einen bei kleineren Fehlern im Kurvenbereich schon abwirft, ist nichts für einen Anfänger.
Als nächstes Kriterium für einen Anfänger ist aber auch: Der Ski sollte günstig sein, denn zum einen weiß man ja in den meisten Fällen noch garnicht, ob dieser Sport zu einem passt, zum anderen kann es auch passieren, dass man sich glücklich zu den Naturtalenten zählen kann und man dementsprechend innerhalb kürzester Zeit seinen Skiern entwachsen ist. Hier sollte man eventuell sogar ganz von einem Kauf absehen und sich für seinen ersten Skiurlaub lieber Skier leihen. In den Skigebieten gibt es meist eine ganze Reihe von Verleihstationen mit erfahrenem Personal, dass einem den passenden Ski vermitteln kann.
Und wenn man merkt, dass der jeweilige Ski dann doch nicht so gut zu einem passt, ok, holt man sich am nächsten Tag halt einen anderen...
Zählt man sich zu den Durchschnittsskifahrern, denen es eher auf einen gemütlichen Sight-Seeing-Skitag ankommt, dann gehört man auf jeden Fall auch zu der Käuferschicht, die sich nach einem günstigen Allrounder umgucken sollte.
Das gleiche gilt übrigens auch für diejenigen, die ihr ganzes Ziel auf den Apres-Ski lenken. Sprich: Wie verbringe ich möglichst schonend den Skitag, um mit maximaler Kraft in den Apres-Ski einzusteigen? . Evtl. sollten sich diejenigen garkeine Skier kaufen, sondern die günstigsten Modelle leihen, da hat man dann auch mehr Geld für Party über, wobei... meine ganz ehrliche Meinung? Noch besser ist es, wenn sich diese Leute auch das Geld für Leihski sparen, so gefährden sie wenigstens keine anderen Skifahrer.
Das sich diejenigen, die sich nichts sehnlicher wünschen, als einen "unberührten" Tiefschneehang mit ihrer ganz persönlichen Handschrift zu versehen und Pisten eher als Verbindungsetappen zum nächsten "Powderhang" betrachten, eigentlich nur glücklich werden bei den Freeride-Modellen, versteht sich, glaub ich, von selbst.
Genauso ist es auch klar, dass Slopestyler (Neudeutsch für: "Leute-die-sich-gerne-über-Schanzen-in-den-Orbit-schießen") nur bei ihren Freestylern oder eingeschränkt bei Supershortys einen Treffer landen können.
Diffiziler wird die Sache dann schon beim guten Skifahrer, der morgens bevorzugt mit den Skilehrern im ersten Lift auf den Berg hinauf fährt und auch abends erst beim Einbruch der Dunkelheit wieder im Ort ankommt. Diese Gruppe der Skifahrer kann sich generell in allen Lagern bedienen. Zum einen bei den guten Allroundern, zum anderen bei den Allmountain-Modellen. Auch die RS-Race-Carver könnten noch eine interessante Wahl sein, wenn man es lieber etwas zügiger mag (obwohl das die guten Allrounder-Latten auch können). Aber die Funcarver und SL-Carver sind in erfahrener Hand auch die Macht. Nicht zu vergessen natürlich die Skicross-Modelle, die bei hohem Pistenanteil den ganzen Tag über Freude bereiten. Alles ist nur davon abhängig, wie groß der Anteil an Off-, bzw. On-Pisten-Touren ist. Bei mir z.B. stehen die Pistentouren im Vordergrund, das heißt, ich fahre zu ca. 70-80% auf Pisten, dementsprechend habe ich mich für einen Skicrosser entschieden, der meinem Fahrstil entspricht.
Kommen wir nun zu den eher exotischeren Skifahrern
Da wären zum einen die reinen Skier-Crossfans zu nennen. Neben den von den Herstellern promoteten Skicrossmodelle, können sie sich auch bei RS-Carvern, sowie Allmountain- und Allround-Top-Modellen bedienen.
Ein weiterer eher “exotischer” Skityp ist der Telemarker. Diesen Leuten zuzuschauen, wie sie elegant den Berg hinunterschweben, jede Kurve wie in einer Liebeserklärung zum Berg in die Knie gehen, ist schon eine echte Wucht. Ich hab's bisher nur ein einziges Mal ausprobiert und musste feststellen, dass dafür eine Kondition und Kraft nötig ist, die ich mir nie hätte träumen lassen. Hier ist auch ein Ski gefragt, der sauber auf der Kante seine Bahn zieht, also eine hohe Eigenführung hat, schließlich ist man direkt nur mit dem Vorderfuß am Ski gebunden. Besonders geeignet sind daher Skier aus der Kategorie Allmountain, da sie eine gute Auflagefläche mit exzellenter Skieigenführung verbinden.
Last but not least möchte ich dann noch auf einen weiteren Exoten eingehen: Den Tourengeher. Dieser Typ sieht seine höchsten sportlichen Ziele darin, einen Berg nicht nur einfach abzufahren, sondern ihn auch vorher erst zu erobern. Daher sollte hier der Augenmerk vor allem auf Gewicht gelegt werden, denn jedes Gramm extra, das man den Berg hinauf befördern muss, kostet Körner. Viele Hersteller haben diese Marktnische aber auch entdeckt und bringen verstärkt Skier genau für diese Art der Alpinen Betätigung auf den Markt. Ich kann daher hier nur ein Fachgeschäft empfehlen, in dem sich Leute befinden, die nach Möglichkeit selber diesen Sport betreiben.
Blieben also zum Schluß nur noch ein paar wenige Punkte, die fehlen:
Wie finde ich denn nun "meinen" Ski innerhalb der Kategorie?
Das ist wohl die schwierisgte Frage. Denn wie ich eingangs schon erwähnte, hat nicht jeder die Möglichkeit, Skier wirklich testen zu können. Viele Händler (zumindest hier im Ruhrgebiet) haben aber gerade Sonderaktionen laufen, in denen man sich die neusten Skimodelle tageweise leihen kann. Wenn man denn schon etwas Erfahrung hat und auch noch auf einen guten Berater getroffen ist, kann man seine Vorauswahl schon auf einige wenige Modelle reduzieren, die man dann im besten Fall einen Tag lang testet (z.b. in einer der Skihallen, oder – falls es doch noch weiß werden sollte – im Hausskigebiet.
Ansonsten bleibt nur noch der Berater, wenn man diese Möglichkeit auch nicht hat. Basiskriterien sollten sein:
- Je schwerer der Fahrer, desto härter der Ski
- Je größer der Fahrer, desto länger der Ski
- Bei Anfängern: Skier ca. 10cm kleiner als der/die Fahrer/in
- Und zum guten Schluß: Das Auge ißt mit, also auch etwas aufs Design achten ;-)
Blieb noch die letzte Frage offen:
Wie schütze ich mich davor, dass mir "alte" Ski angedreht werden?
Vielfach findet man direkt neben den neusten Modellen der Saison bei eingen Läden die Vorjahresmodelle. Als Anfänger hat man da leider kaum eine Chance. direkt zu erkennen, wie man das neue von dem alten Modell unterscheidet. Die einzige Möglichkeit ist, sich vorher durch Kataloge (z.B.: SportScheck, Karstadt), die Herstellerpages im Web, oder Fachzeitschriften ein wenig vorzuinformieren, denn dort werden bestimmt keine Vorjahresmodelle abgebildet.
Sodele.. Ich hoffe, ich hab euch nicht zu sehr gelangweilt und ihr konntet eventuell sogar den ein oder anderen Tipp hier raus ziehen.
Habt ihr noch weitere Tipps oder Anmerkungen?
Dann mailt mich doch einfach an, für Tipps und konstruktive Kritiken bin ich immer zu haben
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