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Welche Ski-Kategorien gibt es?
Hier möchte ich nun mal die wichtigsten Produktkategorien vorstellen und gleichzeitig dadurch auch darstellen, für welchen Skifahrertyp diese Modelle geeignet sein könnten.
Ich möchte an dieser Stelle auch unbedingt darauf hinweisen, dass sich die nachfolgenden Informationen ausschließlich auf Fachpublikationen und persönliche Erfahrungen berufen und in keinster Weise allgemeingültig sein können! Gerade meine persönlichen – vielleicht auch negativen – Erfahrungen können eine Kategorie vielleicht negativ erscheinen lassen, ohne das sie es für den einzelnen wirklich sind!
Race Carver
Fangen wir gleich mit der "kompliziertesten" Gattung der Skimodelle an, denn gerade diese Kategorie muss mehrfach geteilt werden, wobei es eine allgemeine Trennung gibt in die Kategorien Slalom- und Riesenslalom-Carver und dann noch in die Produktions-Racer und die Race-Replikas.
Es ist Wochenende, man hat gerade nichts besseres vor, zappt etwas im TV rum und landet im Winter häufiger mal bei der Übertragung eines Alpin-Skirennens. Da sind sie, die leuchtenden Sterne des weißen Gefildes. Mit großen Augen schauen wir zu, wie sie scheinbar mühelos mit über 100km/h einen Berg runterknallen oder katzengleich Hasenhaken durch den Torpaarcour zirkeln. Machen wir uns nichts vor, wohl jeder halbwegs versierte Skifahrer hat schon mal mit dem Gedanken gespielt, einmal mit den Skiern der Cracks eine Piste faltenfrei zu bügeln. Und dann, wenn die Entscheidung mal wieder ansteht, doch ein paar neue Skier zu kaufen, stehen wir im Laden und da lächeln sie uns richtig breit an. Die Superlatten der Stars. Jetzt zuschlagen? Ich würde sagen: NEIN, es sei denn man geht dem Trend zum Zweitski hinterher, denn gerade dieser Skityp ist hochgradig spezialisiert. Außerdem, glaubt irgendjemand ernsthaft, man könnte die gleichen Ski wie die von Gerg, Eberharter und Co. einfach so im Laden kaufen?.. hmmm.. wer das glaubt, denkt bestimmt auch, das die Formel1-Rennwagen verkappte Familienlimousinen mit ein paar Aufklebern sind ^^.
Es gibt aber zumindest die sogenannten
Race-Replikas
Diese Skier sind in den gleichen Formen hergestellt, wie die richtigen Rennmaschinen, aber unter Zuhilfenahme sämtlicher Vorzüge der Serienproduktion. Auch die Materialien unterscheiden sich teilweise, da die Originalrenner den entsprechenden Fahrern angepasst sind. Außerdem ist ein Standardbelag aufgezogen, der zwar einem normalen Allroundbelag deutlich überlegen ist, die individuellen Renngeräte jedoch haben natürlich speziell abgestimmte Beläge für jedes Rennen. Man erhält also ein Renngerät an die Hand, dass die gleiche Form und den gleichen Look hat, wie die Sportgeräte der Stars. Diese Teile werden vorwiegend eingesetzt bei den ganzen Amateur-Rennen, womit auch die Zielrichtung definiert ist: Rennen fahren auf gut präparierten Pisten.
Production-Racer
Diese Skier hier fahren quasi in einer eigenen Kategorie, da sie nichts mit den offiziellen Werksrenngeräten zu tun haben. Sie sind zwar auch ausgelegt auf maximalen Speed, bei super Grip, aber insgesamt doch mit mehr Allrounderqualitäten versehen, als die hochspezialisierten Renner, mit denen man auf einer abgefahrenen Piste wirklich keinen Spaß mehr hat.
Wie ich aber eingangs erwähnt habe, sind die beiden oben beschriebenen Punkte nur Unterkategorien der Racecarver, sozusagen Bauausführungen der beiden Racekategorien, die ich euch nun vorstelle:
Der Slalomcarver
Diese Geräte zeichnen sich vor allem durch eine wahnsinnig gute Drehfreudigkeit aus. Sie sind dafür ausgelegt, eine exzellente Kantengriffigkeit zu haben, die es auch im vereisten oder supersteilen Gelände ermöglicht, jeden beliebigen Radius mit maximalen Speed zu fahren. Damit ist auch eine der Hauptschwierigkeiten mit diesen Skiern erklärt: Sie werden neuerdings in so dermaßen kurzen Skilängen gefahren (im Privatbereich runter bis zu 140cm), dass es mit dem Geradeauslauf nicht sooo weit her ist.
Außerdem funktionieren sie wirklich nur auf vernünftigen, glatten Pisten. Sind die Pisten erstmal abgefahren, oder sulzig (Sulz = Schneematsch), kommt mit ihnen keine große Freude auf. Dafür sind sie einfach zu aggressiv. Mit zunehmender Länge aber, wandeln sich zumindest die Produktionsracer vom Saulus zum Paulus und nehmen echte Allrounderfähigkeiten an – ohne sie aber wirklich ersetzen zu können.
Bei einem Skitest, an dem ich teilnahm, konnte ich beide Varianten der SL-Carver testen und komme zu dem Fazit: Nichts für mich. Super aggressives Verhalten auf der Piste, aber sobald die Pistenqualität nachlässt oder ein kleiner Ausflug neben die Piste ansteht, beginnt eine reine Quälerei. OK, mit meinen >100kg gehöre ich nicht gerade zu der Gruppe der Rennskiläufer, aber muss ich gleich in jeder Schneewehe geradezu absaufen?
Der Riesenslalom-Carver
Diese Carverform hat dem reinen klassischen Abfahrts-Ski den Rang klar abgelaufen. Mit moderaten Taillierungen versehen, ist ihre Domäne der reine Speed und die großen, weiträumigen Bögen. Auch sie sind versehen mit einer geradezu unglaublichen Kantengriffigkeit und haben einen Geradeauslauf, der beängstigende Formen annimmt. Nun ja, ihr habt ja schon im vorigen Kapitel etwas über mein Gewicht erfahren, ergo könnt ihr euch auch was zu meiner Definition einer rasanten Abfahrt vorstellen :-) denn eine Abfahrtshocke definiere ich eher als den verzweifelten Versuch, eine möglichst aerodynamische Tropfenform unter Zuhilfenahme meines Bauches zu bilden ;-).
Aber auch unabhängig davon kann man mit diesen Skiern durchaus moderat über die Pisten carven. Lediglich enge Bögen sind nicht die Domäne dieser Skikategorie. Bei meinen Tests musste ich feststellen, dass die Radienvielfalt generell zur Kraftanstrengung ausarten kann, wenn man die Radien nicht sauber fährt. Diese Skier haben einfach zu viel von ihren Renngeräten geerbt, als dass sie wirklich fehlerverzeihend sein können.
Allround-Carver
Diese Skier richten an sich selbst den Anspruch, quasi eierlegende Wollmilchsäue zu sein, leider werden sie aber nicht unbedingt ihren eigenen Ansprüchen gerecht, wobei ich mir die Frage stellte, können sie das überhaupt? Während meiner Tests kam ich dann zu dem Ergebnis: Klares JEIN. Bei allen Skiauslegungen erkauft man sich den Vorteil in eine Richtung (Bsp: Kurvenfreudigkeit) durch Nachteile in anderen Bereichen (Bsp: Geradeauslauf), so dass der optimale Ski in dieser Kategorie eigentlich nur eine Ansammlung von Kompromissen sein kann, wobei der eine Hersteller mehr, der andere weniger dieses Ziel erreicht hat. Vor allem musste schließlich bei der Konstruktion dieser Ski berücksichtigt werden, dass sie auch fehlerverzeihend ausgelegt sind, schließlich bedienen sich in diesem Sektor auch die Ski-Anfänger.
Manche Hersteller sind dann auch hergegangen und haben ihre Produkte noch mehr differenziert, was es dem Käufer auch nicht einfacher macht. Man stelle sich vor, man hat vor, sich einen Allround-Ski zuzulegen und bekommt vom Händler gleich 3 grundverschieden ausgelegte Ski des gleichen Herstellers präsentiert. Nicht gelungen, aber genau so schauts aus.
Auch in diesem Bereich hab ich während meines Tests verschiedene Modelle ausprobieren können und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich persönlich hier glücklich werden kann, aber nicht jeder hat die Möglichkeit wie ich, mehrere Skier an einem Wochenende testen zu können, so ist gerade hier ein hohes Vertrauen in die Berater gefragt
Allmountain-Ski
Man könnte auch sagen: Wollmilchsau die 2. .. Auch diese Ski erheben den Anspruch in jedem Terrain zuhause zu sein. Generell ist aber die Entwicklung dahin gegangen, dass diese Kategorie sich mehr in Richtung Offpiste orientiert, während Allroundcarver mehr Onpiste zuhause sind. Aber eine generelle Grenze ist nicht zu ziehen. Die Übergänge von der einen in die andere Kategorie - find ich - sind fließend. Ich denke, vieles ist hier abhängig von den Marketingstrategen der einzelnen Hersteller, denn wie ist es sonst zu erklären, dass ein Allroundcarver bessere Offpiste und Freeride-eigenschaften besitzt, wie der Allmountain aus gleichem Hause?
Freeride-Carver
In dieser Kategorie sind die Latten zu finden, mit denen man sich bevorzugt neben den Pisten bewegt. Sie sind teilweise so breit, dass man glauben könnte, sie wären direkt aus einer Plumpsklo-Tür ausgelöst. Eine Taillierung ist hier wirklich von untergeordneter Bedeutung. Die Priorität ist eindeutig darauf ausgerichtet, im Tiefschnee möglichst gut aufzuschwimmen. das Ziel heißt eindeutig: Snow-Surfen. In lässigen großzügigen Radien einen möglichste unberührten Snowspot abgleiten und Fun haben. Da ich mich eher zu den Pistenfahrern zähle, habe ich naturgemäß meine Schwierigkeiten mit diesem Skityp, da sie auf der Piste so flink sind wie ein 30-Tonner
Freestyler
Dieser Skityp ist ausgelegt auf den Spaß in Halfpipes oder Funparks. Sie sind generell sehr beweglich, aber mit einer breiteren Taille ausgestattet, um eine sichere Landung zu gewährleisten, nach dem "Air-Fun". In fast allen Fällen sind die hinteren Skienden ebenfalls hochgebogen, um auch rückwärts einen Trick anzufahren, bzw. abzuschließen. Auch auffällig ist, dass die Bindung mehr zum Skizentrum gewandert ist, um eine bessere Balance zu erhalten... vor allem in der Luft und beim Landen. Erkauft hat man sich diesen Balancegewinn durch erhöhte Nervosität im Geradeauslauf bei steigenden Geschwindigkeiten.
Ladycarver
Erwartet bitte nicht von mir, dass ich diese Skier wirklich getestet habe. Das habe ich dann doch meiner Frau überlassen, sie kann das schließlich besser beurteilen, denn was für mich vielleicht ein Nachteil ist (z.B. höhere Flexibilität des Skis), ist für eine deutlich leichtere und auch kleinere Frau ein immenser Vorteil. Generell haben wir uns beim ersten Betrachten gefragt: Ist das nur ein Marketing-Gag, der sich in erster Linie auf etwas kürzere, leichtere Ski mit einem femininem Design beschränkt, oder gibt es auch eine technische,. bzw. für eine Frau wirklich nutz- und erfahrbare Daseinsberechtigung?
Nun gut, meine Frau, die nun seit über 30 Jahren die Pisten unsicher macht mit den gleichen Skiern, wie sie auch von Herren gefahren werden, war anfänglich sehr skeptisch und hatte auch Schwierigkeiten, sich auf diese doch anders gebauten Ski einzustellen. Es ist nämlich neben den genannten Details (Länge, Gewicht, Design) noch viel mehr, was in ihnen steckt: Das Material ist generell "weicher", flexibler und auf das niedrigere Gewicht einer Frau abgestimmt, schließlich muss man beim Carven den Flex nutzen für eine wirklich saubere Linie. Außerdem ist die Bindung einen kleinen Tick weiter zur Skimitte versetzt, um etwas mehr Drehfreudigkeit zu erzeugen.
Ob eine Frau das nun wirklich "erfahren" kann, ist aber nach Meinung meiner Frau sehr stark davon abhängig, wie lange sie schon fährt, denn durch die jahrelange Anpassung auf harte Ski, hat sich bei vielen Frauen auch die Fahrtechnik entsprechend eingestellt und dementsprechend empfinden sie diese Carver-Kategorie als zu weich und nervös, mit weniger Speedfestigkeit. Andererseits benötigt man das Durchflexen des Skis für eine saubere Carvingtechnik. Also, wenn Frau sich eh von klassischer Fahrtechnik auf Carving umstellen will, dürften diese Skier ihr doch entgegen kommen.
Shorties und Supershorties
Kommen wir nun zu den sogenannten Funtools. Skier, die beinah Richtung Gleitschuh zu tendieren scheinen. Während man zu den Shortys Skier zählt in einem Längenbereich wie Kinderski, also so 100 bis 140cm, sind die Supershortys maximal 99cm lang, dafür gehen die Längen runter bis zu 60cm. Die Ausrichtung ist einfach simpel zu beschreiben. Sie können fast alles, was auch ein normaler Ski kann, nur vieles noch besser.
Gerade die ultrakurzen Supershortys haben es meiner Frau und mir mächtig angetan, denn mit ihnen hat man auf der Piste Fun ohne Ende. Auch Carven in bisher nie getrauten Winkeln ist damit super möglich. Ein Nachteil von vielen dieser Ski ist aber die Tauglichkeit bei wechselnden Schneeverhältnissen. Geht es auf abgefahrenen Pisten und leichtem Frischschnee noch so eben, wird das Fahren im Sulz zu einer Tortur für die Beine.
Daher haben wir vor, uns diese Teile auch als eine Art "Zweitski" zuzulegen, für den Wochenendtrip in eine unserer Skihallen, oder aber morgens mal auf den frischen Pisten in den diversen Skigebieten.
Crosscarver
Das sind Modelle, die einige Hersteller herausgebracht haben für die neue FIS-Abfahrtsdisziplin, dem Skiercross. Skikross ist eine Rennform, in der sich mehrere Fahrer/innen gleichzeitig in einer Crossähnlichen Strecke messen, Face-to-Face. Innerhalb dieser Strecken sind Steilkurven, Kicker (Schanzen) Wellen, Buckel, Steilstücke eingebaut, so dass hier ein Ski gefragt ist, der präzise wie ein schweizer Messer durch Kurven schneiden kann, extrem Spurstabil ist, Sprungfestigkeit hat und bis hohem Tempo absolut geradeaus läuft. Generell sind diese Skier eine Mischung aus den Race-Carvern und den Allmountain-Modellen. Sie haben von den Racern die Taillierungen und von den Allmountain die Taillenbreite geerbt. Ich persönlich komme mit diesen Skiern absolut super zurecht und könnte mich glatt für ein Modell aus dieser Kategorie entscheiden, wäre da nicht dieser Nischenmodell-typische hohe Preis.
Funcarver
Eine leider fast schon aussterbende Kategorie, da die meisten Funcarver vonden SL-Carvern verdrängt wurden. Es bewegen sich aber weiterhin noch ein paar Firmen in diesem kleinen, aber feinen Marktsegment und halten die Flagge der Funcarver hoch.
Was sind das denn für Skier?
Skier in einer Länge von ca. 120-160cm (also irgendwo zwischen Shorty und SL-Carver) mit einem radikalen Design, dass auf maximale Kurvenlage bei kleinsten Radien ausgelegt sind. Kantengriff ist bei den Tools kein Marketing-Gag, sondern Glaubensbekenntnis
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