XScream (01)

Ich stelle euch hier einmal einen Salomon XScream vor, den ich vor ein paar Wochen auf dem Stubaitaler Gletscher in Rahmen eines Skitests gefahren bin. Zusätzlich hab ich für diesen Bericht auch noch meine Frau interviewt, die den Ski seit 2001 besitzt.

Bevor ich aber zu dem eigentlichen Ski komme, möchte ich in meinem ersten direkten Skibericht vorweg etwas Grundsätzliches klären. Mir ist nämlich aufgefallen, dass hier doch einige Leser meistens etwas "im Regen" stehen, wenn hier der Begriff "Carver" fällt.

 

Eine generelle Frage: "Was ist ein Carver" ist genauso simpel, oder aber so umfangreich zu beantworten wie die Frage: "Was ist ein Baum?". Daher fasse ich mich hier mal so kurz wie möglich:

Ein "Carver" ist im Gegensatz zu den Standard-Skiern, wie man sie bis vor 3-4 Jahren noch kannte, tailliert. Er hat also keine gerade Seitenflanke, sondern diese beschreibt eine nach innen gerichtete Kurve. Daraus resultiert, dass der Ski eine relativ breite Schaufel hat, dann eine schlanke Taille und dann wieder auseinandergeht zu einem breiten Ende. Je nachdem wie stark diese Taillierung (man spricht dabei auch vom sogenannten "Sidecut") im Verhältnis zur Skilänge ausgeprägt ist, wird die Laufeigenschaft beeinflusst. Daraus resultieren dann auch die Eingruppierungen der verschiedenen Skier (z.B. Slalom-, Fun-, Race-, Allround-, Allmountain-, Lady-Carver, etc......).

Ein weiteres Kriterium bei diesen Skiern ist der sogenannte "Radius". Ich find es immer wieder nett, wenn mir irgendwelche Verkäufer sagen: "Der Ski hat(!!!) einen Radius von X Metern".. klasse.. "hat".. falsch.. der Ski "hat" keinen Radius, er "fährt" einen bestimmten Radius. Aber diese Radius-Angabe ist ein vollkommen theoretischer Wert, der unter Wegfall vieler physikalischer Bedingungen ermittelt wurde. Die Radius-Angabe beschreibt nämlich den theoretischen Kurvenverlauf, den ein Ski in einem definierten Winkel auf seiner Kante nehmen würde, um einmal einen Kreisbogen zu fahren. Wenn man nun Fernsehbilder sieht, merkt man, dass die gefahrenen Kurven aber garantiert alle unterschiedliche Radien haben. Wäre ja auch irgendwie langweilig, wenn ich mit einem bestimmten Ski immer nur X Meter-Kurven fahren könnte. Also ist dieser Wert auch eher vernachlässigbar, man sollte lediglich wissen, dass je kleiner dieser Radius ist, die theoretische Wendigkeit steigt.

 

So, ausgerüstet mit diesem Basiswissen stelle ich euch nun diesen Salomon XScream mit Salomon-Bindung S912 TI vor.

 

_/ Der Ski im Detail \_

Dieser Ski ist vom Werk her in die Gruppe der sogenannten "Allmountain-Carver" eingruppiert. Skier dieser Gruppe stellen an sich selbst den Anspruch in jedem Gelände "zuhause" zu sein. Das heißt, sie gehen auf der Piste genauso gut, wie im Tiefschnee, oder nachmittags in zerfahrenem Sulz. ("Sulz" ist schwerer, mit Wasser vollgesogener Schnee, der nur noch geringe Gleiteigenschaften bietet, quasi Schneematsch). Um zu testen, ob dieser Ski diese Ansprüche erfüllen kann, hab ich mir ein Modell in der Länge 1,79m genommen. Bei dieser Länge hat der Ski folgende technischen Daten:

- Länge: 179cm

- Breite Schaufel (Tip): 106mm

- Breite Mitte: 68 mm

- Breite Ende (Tail): 96mm

- Radius: 18m

- Bindung: Salomon S912 TI (das TI steht für das Material)

 

Was einem als erstes auffällt, wenn man sich diesen Ski betrachtet, sind die beiden Stabilisatoren, die sich auf dem Ski befinden. Im Gegensatz zu den meisten der andern Hersteller hat Salomon die Stabis nicht in ihren Skiern integriert, sondern sie außen aufgebracht. Im vorderen Bereich findet man einen Y-förmigen Stabi, im Heck einen V-förmigen. Diese Stabilisatoren sollen das Laufverhalten beeinflussen, in dem sie den Ski verwindungssteifer machen, bzw. das Durchbiegen oder Verwinden positiv abdämpfen und in eine kontrollierte Richtung lenken. Hört sich kompliziert an und ist es für die Konstrukteure bestimmt auch, aber für uns Skifahrer macht sich das in sofern bemerkbar, das der Skier sich kontrollierbarer und angenehmer fahren lässt. Im Gegensatz zum oben abgebildeten Produktbild hat sich das Design nur insofern geändert, dass die Schrift geändert wurde. Der Salomonschriftzug und das XScream-Sign sind nun noch plakativer.

 

Kommen wir nun aber zum wesentlichen

 

_/ Wie fährt sich denn nun der Ski? \_

Die ersten Fahrten hab ich mit dem Ski früh morgens auf einer frisch präparierten Piste unternommen. Hier konnte ich feststellten, dass der Ski sich gut in Kurven hineindirigieren lässt. Er hat ein gutes Selbstführungsverhalten und für einen Allmountainski auch beträchtlichen Zug und Biss auf der Kante. Generell ist er sehr wendig und bis in höhere Geschwindigkeitsbereiche auch sehr spurfest. Vibrationen werden durch den Ski gut abgefedert.

Später sind wir dann etwas in den tiefen Schnee gegangen, ein wenig neben den normalen Pisten. Im verspurten Tiefschnee wurde der Skier etwas unruhig, aber immer gut kontrollierbar. Ich hatte persönlich den Eindruck, dass der Ski mit zunehmender Geschwindigkeit Reserven aufbaut. Es war zwar kein Vergleich zu den richtigen fetten Tiefschneelatten, doch nicht unangenehm zu fahren. Im frischen unverspurten Tiefschnee ging der Ski auf die gleiche Weise. Die Teile mögen es etwas schneller. Also, "Zöpfe flechten" ist damit weniger zu empfehlen, sondern eher das zügige Schnee surfen.

Sulziges Gelände konnten wir hier oben auf dem Gletscher nicht finden, so dass ich das nicht testen konnte, aber meine Frau ist der Meinung, dass ihr auch das mit diesem Ski leichter fällt.

Was ich aber noch feststellen konnte ist, dass man mit diesen Skiern auch noch "klassisch" fahren kann. Es ist also kein "Dauer-Pflicht-Carven", sondern das genüssliche Driften in die Kurven ist weiterhin hiermit möglich.

 

_/ Fazit \_

Generell kommt der Ski dem Idealbild einer Schnee-Enduro doch recht nahe. Das Teil ist wie ein Zehnkämpfer: Weltrekorde sind zwar in keiner Disziplin zu erwarten, aber überall respektable Leistungen. Kritikpunkt ist etwas der Preis. Mit durchschnittlichen Ladenpreisen von ca. 550-600€ sollte man sich gründlich überlegen, wie lange man mit diesem Skier fahren will, und wie oft im Jahr