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Schräg lass nach
Schon im Oktober hab ich am Sport-Scheck-Testival auf dem Stubaitaler Gletscher teilgenommen. Dort waren alle wichtigen Anbieter der Ski- und Snowboard-Branche vertreten und man konnte wirklich alle neuen Modelle einmal unter die Lupe nehmen. Bei dem Event habe ich dann auch eine Vielzahl von Skiern getestet und ein paar in die engere Auswahl genommen, um sie während unseres Skiurlaubs ende Januar in Ischgl nochmals einem gründlicheren Test zu unterziehen. Schließlich stand für mich dieses Jahr mal wieder die Anschaffung neuer Skier an.
So ist auch der SALOMON Crossmax10 Pilot zur engeren Auswahl gekommen, über den ich heute berichten möchte.
Um eines vorweg zu nehmen:
NEIN, ich besitze den Ski nicht (Begründung siehe unten im "Fazit"), was aber die Objektivität und Genauigkeit dieses Berichts nicht mindern sollte, da ich mich seit Jahren intensiv mit der Materie "Ski" auseinandersetze und ein sehr hohes Erfahrungspotential besitze, dass es mir ermöglicht, Skier nach relativ kurzer Zeit vernünftig zu beurteilen. Diesen Ski bin ich während des 10-tägigen Urlaubs fast jeden Tage gefahren. Zudem wurde er schon von mir in verschiedenen Geländearten im Stubaital "erfahren". Daher denke ich, mir ein vernünftiges Urteil bilden zu können!
_/_/_/ Der Ski im Detail \_\_\_
Fangen wir doch gleich einmal beim Aussehen an, da ein Produktfoto leider nicht vorhanden ist.
Am Einfachsten lässt sich dass Design wohl mit dem dezenten Auftreten eines Indianers in vollem Kriegschmuck vergleichen, so dekorativ liegt der Ski gerade vor mir.
Basierend auf einer blau / weiß geteilten Grundfarbe steht vorne auf dem Ski plakativ der Werksname SALOMON in weiß auf dem blauen Bereich, während der weiße Bereich überzogen ist mit einem riesig anmutendem knallrotem CROSSMAX-Schriftzug. Das Heck des Skis wird bestimmt durch eine rote "10" die längs zum Ski aufgedruckt ist und vom Design her an die Startnummern bei NASCAR-Rennwagen erinnert. Gleichzeitig ist die ganze Lackierung aber semitransparent und man erkennt durch ihr die gewebten Glasfasermatten aus denen der Ski teilweise gefertigt wird und bezieht sie so in das Gesamtdesign ein.
Ich fand es übrigens ganz witzig, wie neben mir ein älterer Herr sich darüber mokierte, dass "diese Amis bei ihren Sportgeräten schon auf die Nationalfarben zurückgreifen müssen"... echt komisch.. vor allem sein Gesichtsausdruck, als ich ihn fragte, ob ihm auch die französischen Nationalfarben bewusst seien....schließlich ist Salomon ein ehemals französischer Hersteller, der nun in der ADIDAS-SALOMON AG integriert ist.
Um euch den Ski besser vorstellen zu können, findet ihr ihn hier auf einem Foto:
Auf dem Ski angebracht sind 2 Stabilisatoren. Vorne ist es ein Y-förmiger, hinten ein V-förmiger Stabilisator. Diese Stabis dienen dazu, den Ski zu dämpfen und die Kräfte, die beim fahren auf ihn wirken in bestimmte Richtungen zu bringen. Daher auch die Y-, bzw. V-Form. Mit ihnen sollen die Torsionskräfte so abgedämpft und gleichzeitig in eine gezielte Richtung gebracht werden.
Die Bindung vom Typ S912TI (Das Salomon-Spitzenmodell) wird nicht konventionell mit dem Ski verschraubt, sondern durch ein sogenanntes Pilot-System. Hierbei befinden sich die Front- und Heckbacken der Bindung auf 2 separaten Wippen, die auf einer Achse mit dem Ski verbunden sind. Durch diese wippende Lagerung kann der Ski unter Belastung frei durchflexen, das heißt, der Schwingungsfluss wird nicht durch eine starre Bindung unterbrochen.
Der Ski besitzt in der von mir getesteten Länge von 170cm folgende Maße:
Schaufelbreite: 107mm
Mittelbreite: 69mm
Heckbreite: 102mm
der theoretische Radius beträgt: 15m bei 170cm Gesamtlänge
Zu kaufen gibst den Ski in den Längen 160, 170, 180, 185, 190cm, wobei sich dann die Radien entsprechend ändern.
Empfehlen würde ich den Ski ungefähr 15cm kleiner als die Köpergröße, da er so einen guten Mittelweg bildet aus Aggressivität, Spritzigkeit, Gutmütigkeit und Komfort.
Der Belag ist aus dem gleichen Material gefertigt (UHMW4000 Gallium), aus dem auch die Belege der Rennmodelle von Salomon gefertigt sind, womit der Crossmax10 auch das einzige Nichtrennmodell mit dem Belag bei Salomon ist.
_/_/_/ Jetzt aber ab in den Schnee \_\_\_
Genug der Theorie, wie ist der Ski denn nun dort wo er hingehört, nämlich im Schnee?
Zusammenfassend würde ich sagen: Genial, aber ok, ich erklär es mal genauer.
Meinen Erstkontakt mit dem Ski hatte ich im Oktober in einem Gletscherskigebiet, was bedeutet, dass noch nicht so viel frischer Schnee vorhanden ist und die Unterlage ziemlich eisig, verharscht daherkommt. Hierbei konnte ich auf frisch präparierter Piste feststellen, dass der Ski absolut unbeirrbar seine Bahn zieht. Egal, welche Radien man nun fährt, der Ski zieht sauber auf der Kante mit. Gerade in der Carvingtechnik leistet sich der Ski keinerlei Schwächen. Er ist zwar nicht vergleichbar mit Slalom- oder Funcarver, dafür ist er auch nicht ausgelegt, aber dennoch zeigt er sich für die Einstufung als enorm spritzig. Auch engere Radien lassen sich genau zirkeln und man kann mit dem Ski problemlos auch bis extremste Schräglagen gehen. Lediglich bei stärker vereistem Untergrund kommt doch seine Allrounder-Charakterisitk zum Vorschein, es fehlt ihm einfach ein wenig an Kantenbiss. Die Kanten des Skis haben einfach nicht die unbeirrbare Eisgriffigkeit, wie man sie von Slalom- oder auch Racecarvern her kennt. Dafür verzeiht der Ski aber auch Fehler, die bei bissigeren Modellen gleichbedeutend wären mit Abwurf und anschließender Schneeprobe.
Die Torsionsfestigkeit möchte ich als recht gelungen bezeichnen, wobei der Ski eine hohe Eigendämpfung mitbringt, wodurch man gerne mittlere und längere Schwünge mit dem Ski einfach nur genießt.
Der Geradeauslauf ist bis in höhere Geschwindigkeiten recht stabil, lediglich, wenn das Teufelchen auf der Schulter ein bisschen zu viel will, fängt der Ski leicht an zu flattern im Bereich der Schaufel. Aber da sich dieses Flattern langsam ankündigt, kann man sich sehr gut darauf einstellen und entsprechend reagieren
Sein richtiges Potential bringt der Ski aber erst bei gemischten Verhältnissen zum Vorschein, beispielsweise, wenn es gerade etwas geschneit hat und eine 5 – 10 cm dicke Neuschneelage auf den Pisten zu finden ist. dann geht bei dem Ski die Post ab. Dort v wo man so langsam die Slalom und Funcarver wegpackt, weil sie einfach nicht genug aufschwimmen, zieht der Ski genauso unbeirrbar seine Bahnen, wie auf einer gerade präparierten Piste.
Dies konnte ich vor allem in Ischgl diesen Januar feststellen, da es dort immer wieder zwischendurch stärker geschneit hat und wir immer wieder diese Situationen vorfanden.
Auch auf ausgefahrenen Pisten macht der Crossmax keine schlechte Figur (die mach höchstens ich). Wenn sich schon gröbere Schneeansammlungen gebildet haben, meint man der Flex würde den Ski geradezu dazu bringen wie eine Schlange über die Hügel zu gleiten und immer den notwendigen Steuerkontakt zum Schnee zu bieten. Irgendwie bildete sich eine hohe Vertrauensbasis zum Ski bei mir. Gerade bei extrem schlechter Sicht (Nebel und Neuschnee), wo man mehr mit dem "Popometer" als mit den Augen fährt, hatte ich eine Sicherheit, die ich in dem Maße bisher noch gar nicht kannte. Ich hatte einfach im Gefühl, dass der Ski meine Steuerimpulse immer im richtigen Maße umsetzen würde, einfach schwer zu beschreiben, wenn man das noch nicht "erfahren" hat.
Und wie schauts aus mit einer gepflegten Tiefschneeeinlage?
Absolut Problemlos, lediglich mit engem "Zöpfe flechten" im tiefen Schnee hat der Ski es nicht so. Es sollte (zumindest bei meinem fahrerischen Potential!) schon das weiträumige Schneesurfen sein. Das "fliegen" über dem Schnee. Hier kann ich dem Salomon durchweg ein gutes Aufschwimmverhalten und Steuerfähigkeit attestieren.
_/_/_/ Der Preis \_\_\_
Lange hab ich mich davor gedrückt, aber ok, in einen vernünftigen Bericht gehört er unabdingbar dazu: Der Preis und die daraus resultierenden Krämpfe und Schmerzen.
Denn man hat nicht nur technisch den Eindruck, Salomon hätte mit dem Ski eine neue Runde eingeläutet, nein, sie scheuen sich auch bei den Finanzen nicht davor zurück, neue Wege zu betreten. 759,--€ beträgt der Salomon-Listenpreis für dieses Modell!!!
Und noch Luft? Seit ihr noch da?.. Seit euch gewiss, ich hatte die gleichen Beschwerden.
Auch wenn der Ski eigentlich kaum zu diesem Preis hier im Ruhrgebiet verkauft wurde – Der Markt bewegte sich so zwischen 699,--€ (Saisonanfang) und 599,--€ (letzten Samstag, Karstadt Dortmund) – finde ich den Preis doch schon arg überzogen. Vor allem, wenn man berücksichtigt, dass der durchschnittliche Skifahrer ca. 10-15 Tage im Jahr Ski fährt.
Auch wenn der Ski von seiner Abstimmung sehr gut zum sportlichen Komfortskifahrer passen würde, ist der Preis eindeutig zu hoch in meinen Augen
_/_/_/ Fazit \_\_\_
Wäre da nicht dieser exorbitant hohe Preis, der nur noch von den Rennmodellen der diversen Hersteller, sowie ein paar Exoten (Volant/Stöckli/Lacroix) und dem Atomic Supercross X11 (Bericht folgt wohl noch, wenn Ciao freischaltet) verlangt wird, würde ich den Ski absolut jedem empfehlen können. Vom Genussskiläufer bis hin zur Pistensau würde es kaum einen geben, der wirklich unglücklich mit dem Ski werden würde.
Es macht einfach Fun mit dem Teil durch die Gegend zu fahren, egal wie der Untergrund nun ist.
Aber ich habe eine Möglichkeit gefunden, trotz des Preises – den ich mir kaum leisten kann - mit diesem Ski weiterhin durch die Skigebiete Europas zu gleiten. ganz einfach, Karstadt machts möglich!
Nein.. nix mit Kredit oder so, aber Karstadt in Dortmund verleiht Skier für gerade mal 10€ am Tag (zzgl. anschließendem Wachsen für 15€). Das heißt, ich habe für 10 Tage Ischgl für den Ski 115€ hingelegt, was wiederum bedeutet, dass ich theoretisch 5 mal in Urlaub fahren könnte, bis ich den Kaufpreis einhabe und das ist auch ungefähr der Rhythmus, wo ich mir was neues zulege.
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