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Und wieder einmal stehe ich vor dem Problem, wie ich diesen Bericht anfangen soll.. mit den guten Dingen? mit meinen Negativ-Eindrücken? Das ist irgendwie nicht so einfach, zumal beide Eindrücke sich irgendwie die Waage halten. Vielleicht mixe ich es einfach und baue es in der chronologischen Reihenfolge auf, so wie die Eindrücke auf mich/uns hereinprasselten.
Starten wir mit der Anreise:
Vom Ruhrgebiet aus kommt man perfekt in die Schweiz und damit auch nach Graubünden, indem man einfach straight die A5 von Frankfurt aus (geht’s noch zentraler aus Deutschland?) herunter fährt. Wenn man so wie wir die Nacht durch fährt, hat man auch in den Ballungszentren keinerlei Verkehrsprobleme, obwohl wir das Osterwochenende zur Fahrt wählten. In der Schweiz angekommen, einmal durch Zürich durch auf die A3 und dann Abfahren auf die Bundesstraße B28. Hier führt dann die Strecke wie eine natürliche Achterbahn durch herrliche Landschaften Richtung Davos, durch viele kleine Ortschaften, eine schöner als die Andere. Mehr als einmal waren wir geneigt anzuhalten und die Aussicht zu geniessen, aber die "Sucht" nach dem Schnee war zu groß, also schnell weiter richtung Davos. Als wir Klosters paasierten, befanden wir uns schon ziemlich im Skifieber und bewunderten auch diesen ort bei der Durchfahrt, doch dann die Endtäuschung, wir erreichten Davos und mußten feststellen, dass hier nichts so ist, wie in allen vorangegangenen Orten. Der totale Wildwuchs von diversesten Baustilen, alles kunterbunt durcheinander, keine Spur von der Romantik, die wir noch kurz zuvor gesehen haben, alles mit einem Schlag weggeblasen, aber egal, es gab trotzdem viel zu sehen und somit sahen wir schon unsere Abendspaziergänge gesichert. Nun schnell Quartier beziehen, umziehen und "ab auf Piste". Das "Quartier", unsere Wohnung also, fanden wir dann in einem "Hochhaus"(sowas hätte ichhier nicht erwartet) in der 4. Etage. die Einrichtung? Rustikal, altmodisch, zweckmäßig, also genau passend für eine normale Skifamilie, weder positiv noch negativ aus dem Rahmen fallend.
Nun aber ab auf die Piste
Halt, hier sollte man erstmal erwähnen, dass es mehrere voneinander getrennte Skigebiete gibt, die nicht direkt miteinander verbunden sind. Also "mal eben" von einem ins andere Gebiet schaukeln ist nicht, sondern dazwischen liegt immer eine Busfahrt. Zum Einstieg wollten wir uns aber dann das bekannteste und größte Skigebiet von Davos unter die Bretter nehmen, die Parsenn. Hier haben wir dann auch gleich den absoluten Negativpunkt: Die Beförderung ins Skigebiet. Schlagartig fallen mir dazu nur Sachen ein wie Viehtransporter oder ähnliches, wobei... ich glaub die in Deutschland gesetzlich vorgeschriebenen Mindestplatzanforderungen für den Transport von Lebend-Tieren ist deutlich höher als hier vorgesehen ist für den Transport ins Skigebiet Parsenn. "Hier in diese Bahn passen 120 Menschen und wir zählen immer genau an den Drehkreuzen ab" (Originalaussage!).. hmmm.. hat denen schon jemand erklärt, dass heutzutage viele Leute Rucksäcke mit auf den Berg nehmen, scheinbar nicht, anders ist es nicht erklärbar, dass einfach unverantwortlich viele Leute wirklich in diese Bahn gepresst werden, wobei dieses "gepresst" wörtlich zu nehmen ist, denn mehr als einmal hab ich live miterleben müssen, wie ein "Schaffner" sich gegen die Leute in die Bahn gedrückt hat, um noch 1 oder 2 mehr mitzunehmen. OK, als Gegenargument kann man anbringen, dass ja nun eine neue Bahn gebaut wird, die viel Größer und Schneller ist, aber ich behaupte, da wird genauso gepresst werden. Der einzige positive Unterschied ist dann, dass man schneller wieder raus ist aus dem Viehtransporter.
Nun aber zu etwas positivem: Das eigentliche Skigebiet!
Man kann es mit einem einzigen Satz beschreiben: Unheimlich schön und weitläufig. Die Abfahrten sind alle durchweg sehr breit und variantenreich. Hier auf der Parsenn findet man zwar nicht die hohen Schwierigkeitsgrade, aber dies ist ein wirkliches Familienskigebiet, einfach für alle geeignet, ohne Langweilig zu werden. Einziger Wermutstropfen: auch innerhalb des Gebietes hab ich schon modernere Liftanlagen gesehen (oder bin ich durch Österreich einfach zu verwöhnt?).
Das andere Skigebiet, das wir erkundet haben war das Jacobshorn. E sliegt ziemlich präzise gegenüber der Parsenn und ist erreichbar über einen Seilbahnverbund. Auch hier kämpft man zuweilen mit längerer Wartezeit, aber hier wird wenigstens darauf geachtet, die Gondeln nicht zu voll zu stopfen, so dass hier etwas Menschenwürde bleibt. Das Skigebiet selber ist die sportliche Anlage der Davoser Region. Hier tummeln sich deutlichst jüngere Leute, als auf der Parsenn und es sind auch sehr viele Boarder unterwegs. Um es kurz zu machen, Hier kann man mal so richtig die Sau fliegen lassen und das fast immer mit Talblick, genial, einfach genial und auch die Liftanlagen sind hier deutlichst moderner und den Menschenmassen angepasster.
Was den Aprés-Ski betrifft, der verläuft überall in äußerst ruhigen Bahnen und ist nicht ansatzweise mit dem Hullygully in Österreich vergleichbar, aber das find ich eher als angenehm denn fehlend.
Abschlußeindruck:
Ein lachendes und ein weinendes Auge. Mehr als die beiden Gebiete konnten wir nicht testen, da sie ab Ostern bereits geschlossen waren (also kein Einblick in Pischa und Rinerhorn). Das was wir erlebten, rechtfertigte aber in absolut keinster Weise den Anspruch, den Davos an sich selbst erhebt und schon garnicht an das gebotene Preis-Leistungsverhältnis. Die Skipässe (ca. 250€ = 6 Tage) sind im Verhältnis zu der gebotenen allgemein veralterten Logistik lachhaft und die Preise für Essen in den diversen Restaurants machen einen schon so satt, Wir haben bei den 3mal die wir essen waren (haben ansonsten lieber selber gekocht um wenigstens etwas die Kasse zu schonen) jeweils für 3 Personen ca. 100€ ausgegeben, was eindeutig zuviel ist. Auch die Preise auf den Hütten sind dementsprechend angepasst und als sehr hoch zu bezeichnen (Bsp: Stk. Kuchen + Tasse Kakao = 12€. = no comment). Das einzige was wirklich gut organisiert ist, ist der innerörtliche Busverkehr, der einen praktisch an jeden ort des Dorfes bringen kann, ohne Zusatzkosten. Trotzdem ist dies und die Schönheit des Skigebiets nur ein kleiner Trost im vergleich zu allem anderen.
Ach ja, abschließend eine kleine Kuriosität am Rande:
Schonmal ein "Skigebiet" gesehen, wo es im Ort sagenhafte 12 Friseure gibt? Find ich lässig, die liegen da wirklich beinahe Tür an Tür... wohl frei nach dem Motto: Alles egal, hauptsache die Haare liegen :-)
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