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Skifahren im Schlemmerparadies
Hier wird absolut jeder zum Sight-Seeing-Skifahrer, so gigantisch ist das Panorama.
Diesmal hat mich meine Skibegeisterung ausnahmsweise nicht nach Österreich geführt, sondern nach Italien, genauer gesagt, ins AltaBadia, nach Corvara. Der Ort ist einer der zentralen Einstiegspunkte in die berühmte Skitour "Sella Ronda" und liegt mitten in den Dolomiten. Da dieser Ort zum berühmten Skipassverbund "Dolomiti-Superski" gehört, hat man eigentlich nur ein einziges Problem: "Wo fahre ich heute?", denn zu diesem Lift-Verbund gehören sagenhafte 1200km Skipisten, da kann die Auswahl schon mal schwer werden, zumal auch noch so (Wintersport-)berühmte Orte gehören, wie der Kronplatz, oder Cortina d'Ampezzo. Glücklicherweise liegt Corvara aber ziemlich genau mittig zwischen den 12 Regionen, die sich zum Liftverbund zusammengeschlossen haben und so kann man eigentlich jeden Tag neue Gebiete unter die Bretter nehmen.
Anfahrt:
Von der klassischen Nord-Süd-Route, der "Brenner-Autobahn" fährt man nördlich von Brixen ab, Richtung Bruneck (dem Hauptort des Kronplatzes) auf die E66. Hier ist die Straße noch recht breit und gut ausgebaut. Kurz vor Bruneck geht dann die SS244, Richtung Süden ab, die dann direkt nach Corvara führt. Wenn ich nun behaupte, ihr fahrt dort eine der besten Naturautobahnen im eigenen Auto, die ich kenne, sollte man das zweideutig sehen. Zum einen geht es wirklich engste Kurven rauf und runter, links, rechts.... andererseits ist diese Straße absolut schlecht ausgebaut, so dass gerade mal maximal 2 Autos nebeneinander passen und so ist diese Route – auch durch ihre zusätzliche Unübersichtlichkeit – mordsgefährlich. An verschiedensten Stellen kann man Autowracks sehen, die als Mahnmale liegengelassen wurden und gleichzeitig auch den Beweis darstellen, wie in Italien autogefahren wird: robust und schnell. Langsam aber stetig schraubt sich die Straße in immer weitere Höhen durch zahlreiche Schluchten und unzählige Serpentinen, so dass man schon mehrfach denkt, "jau, jetzt geht’s gleich nicht mehr weiter" und irgendwann öffnet sich vor einem plötzlichein riesiges Tal in welchem dann Corvara liegt.
Der Ort:
Ich würde Corvara mal als Straßendorf bezeichnen, denn ein direkter Ortskern mit eigenem Marktplatz ist hier nicht zu finden. Der ganze Ort ist aufgebaut wie ein Dreieck, dass sich anschmiegt an die drei Durchgangsstraßen des Ortes. An einer Ecke gelangt man von Bruneck aus hier rein (wie oben beschrieben), an den beiden anderen "Ecken" des Dorfes befinden sich die Liftanlagen. Zum einen das niedrig gelegene direkte "Alta-Badia"-Skigebiet und zum anderen der Anschluss an die Sella-Ronda mit dem Boé-Gondeln. Dies ist übrigens eine sehr moderne Umlaufgondelbahn. An dieser Talstation befindet sich auch direkt die Skischule und ein riesiger Parkplatz. Wobei, wenn man seine Skier nicht endlos lange tragen möchte ist man gut beraten, hier relativ früh zu erscheinen, sonst gibt’s die Lasteselnummer.
Innerhalb des Ortskernes dessen Aussehen zum Glück nicht von Hotelburgen bestimmt wird, sondern sich seine Urtümlichkeit bewahren konnte. Klar gibt’s auch hier moderne Gebäude, aber auch die passen sich in ihrem Stil der Umgebung an. Ich möchte auch keines der zahlreichen Restaurants hervorheben, denn hier kann wirklich aufs herrlichste Schlemmen und genießen. Nur ein kleiner Tipp: Schaut euch vor allem die kleinen und kleinsten Gaststätten genauer an, hier wird vor allem Ladynische Speisen geboten. Ein echter Schlemmertipp!
Ansonsten ist zu diesem Ort eigentlich nur zu sagen, dass man auch als Selbstversorger gut klarkommt, wenn man in keinem der feinen Hotels Quartier bezogen hat. Auch hier gibt’s die gewohnten Supermärkte und Sportgeschäfte.
Das Skigebiet:
Wie ich schon oben schrieb, gibt es 2 Skigebiete
1. Das Altabadia-Gebiet.
Dieses Gebiet ist relativ niedrig gelegen und auch relativ flach. Aus diesen Gründen endet hier die Skisaison bei nicht so guten Schneebedingungen auch etwas früher. Dieses Gebiet eignet sich aber unbedingt für Genuss-Skifahrer die auch gerne mal anhalten, nur um die Aussicht zu genießen. Mit diesem Skigebiet werden auch die Ort Corvara, San Cassiano und La Vila miteinander verbunden. Und hier habe ich auch gleich ein Stichwort gegeben: La Vila. Jedem der etwas sportlicher veranlagt ist und sicher auf den Skiern steht, sei einmal die Weltcup-Abfahrt ans Herz gelegt... die bekommt alleine schon von mir ein wow mit 5 Sternen.
2. Der Sellaronda-Einstieg
Hier ist eigentlich immer bis zum endgültigen Saisonende geöffnet, denn die SellaRonda wird wirklich mit allen Mitteln am längsten offen gehalten. Wenn man aus dem Lift steigt kann man eigentlich nur in 2 Richtungen, entweder noch weiter rauf, eine kleine aber heftige Rennpiste befahren, oder aber man fährt wieder die Boé hinunter, zumindest ein Stückchen und hier ist auch die Schwierigkeit, denn gerade der Einstieg in diese wirklich schöne Piste ist wirklich heftig, es geht gleich richtig heftig zur Sache. Das sollte man berücksichtigen, wenn man mit der Familie die Sella befahren möchte. Nach diesem Einstieg teilt sich die Piste. Einmal zurück nach Corvara, zum anderen rüber in die Skigebiete von Arabba und Cherz. Beide Varianten sind nachher sehr angenehm zu fahren, vor allem da mit jedem Höhenmeter weniger die Bewaldung zunimmt. Über das Skigebiet "Cherz" wiederum kann man auch schaukeln zum direkten Altabadia-Gebiet, oder aber man fährt halt rüber zum "Arabba". Gerade in diesem Gebiet möchte ich wirklich jedem raten, eine Fahrt mit der Gondel hoch auf den Gipfel zu machen, auch wenn die Abfahrten etwas anspruchsvoller sind, denn von hier hat man einen Wahnsinns-Aussichtspunkt auf die ganzen Berge der Region. Außerdem ist es schon interessant mal genau auf einem Berggrat zu stehen, auf der einen Seite das Sella-Massiv, auf der anderen die Marmolada. Schwer beeindruckend!!!
Die Sellaronda im übrigen bietet 62km pure Piste und führt rund um den Sellastock (ach nee) durch die Täler von Altabadia, Arabba, Val Gardena und Val di Fassa. Fährt man diese Tour im Uhrzeigersinn von Corvara aus, gibt es eins zu beachten: Im Fassatal, wenn man schon so um die 45-50 Abfahrts-km in den Beinen hat, geht die "Ronda" noch in Canazai die Weltcup-FIS-Piste runter.....Spätestens dort glühen dann selbst gestandenen Skifahrern die Oberschenkel und das heftig.
Preise:
Die Speisen- und Getränke-Preise bewegen sich hier auf einem – im Vergleich mit Österreich – sehr gutem durchschnittlichen Level. Man findet immer günstige Angebote. Auch die Preise auf den Hütten sind im Vergleich mit vielen anderen Skigebieten relativ günstig.
Was die Liftkarten anbelangt. Also, ich finde bei den gebotenen 1200km Piste, die sich alle in normaler Autoreichweite (also 1-1,5 Std.) befinden, 179€ in der Hauptsaison für typische 6 Tage wahrlich eher günstig als überzogen.
Fazit:
Hier in den Dolomiten muss jeder Skifahrer mal gewesen sein. Eine vergleichbar gigantischere Aussicht und dramatisches Panorama findet man sonst nirgends in ganz Europa. Gerade Altabadia liegt da auch sehr günstig, weil zentral. Auch wenn hier die allgemeine "Umgebungs"-Schneesicherheit nicht gegeben ist, sind die Pistenwächter hier absolute Schneeexperten, so dass immer ausreichend Schnee auf allen Pisten gewährleistet wird. Ich hab auch nirgends sonst bisher so umfangreiche Beschneiungsanlagen gesehen, wie dort.
Wer auf verrückten Apres-Ski steht ist hier eher fehl am Platz, weil es diese "Kultur" hier kaum gibt. Dies ist der Platz zum Skifahren Skierleben und genießen. Man muß sich halt nur entscheiden können, wo man heute denn fahren möchte.......
Mein absoluter Spezialtipp zum Schluss:
Das Mittagstal: Val di Midea. Ihr kommt dort nur hin über eine Gondel direkt auf den Sellastok von der Seite zwischen Arabba und Val Gardena und von dort müsst ihr noch eine gute halbe Stunde laufen zurück auf die andere Seite des Gebirgsmassivs, Richtung Corvara / Colvosco. Dort am Grat angekommen findet man dann den Einstieg in dieses Minital, dass seinen Namen der Tatsache verdankt, dass nur zur Mittagsstunde die Sonnenstrahlen den Boden erreichen. Dies ist keine Piste sondern eine direkte Tour, die auch nur mit einem Führer gemacht werden sollte, aber eine romantischere Abfahrt hab ich noch nicht gesehen. Ein absoluter Traum!
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