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Technische Daten und allgemeine Informationen:
Unsere Eindrücke zur Halle
Alles nur eine Sache der Einstellung... dachten wir uns, aber weit gefehlt, wer in Bottrop Ski fährt muß mit dem Charme einer Baustelle zurecht kommen und auch nebenbei noch die schlechte Laune der Angestellten ertragen.
Als Ruhrpottler hat man leider nicht die Möglichkeit, "mal eben" in die Berge zu fahren, um seinem Hobby zu fröhnen und wenigstens ein kleines bisschen die Schneesucht zu besänftigen. Also war die Idee, Schnee 365 Tage im Jahr ins Ruhrgebiet nicht verkehrt. Schließlich gibt es gerade hier mehr Skifahrer als in manch anderen – schneenäheren – Umgebungen, was bei einem Einzugsgebiet von mehr als 12mio. Einwohner auch nicht unbedingt verwundert. Was aber hier in Bottrop aus dieser Idee gemacht wurde, ist mehr schlecht als Recht.
Direkt nach der Eröffnung der Halle, statteten wir ihr den ersten Besuch ab. Vieles war nicht fertiggestellt und überall fand man Provisorien, was uns aber in keinster Weise entäuschte, schließlich war ja gerade erst Eröffnung, da geht sowas als "Normal" durch, zumal bunte Prospekte und Modelle den finalen Zustand schonmal verdeutlichten und Geschmack auf "mehr" machten. Nun ist über ein Jahr ins Land gezogen und uns hat es vor kurzem wieder in diese Halle gezogen, damit wir unserer Sucht nachgeben und somit die lange Zeit bis zum Winter verkürzen konnten. Schon beim Weg zur Halle hin kam die erste Merkwürdigkeit... "Wie? Noch immer dieses Baugerüst als Eingang?"... "Ich dachte das wär ein Provisorium?". Das einzige was sich rein äußerlich innerhalb des Jahres geändert hat, war ein Fassadengemälde, in das diese Baugerüsts-treppe mit einbezogen wurde. Man steigt also weiterhn in die Halle durch eine Art Loch in einer Betonwand.. nicht sehr einladend. Einmal das baugerüst erklommen und die Eingangs-"Halle" betreten, die nächste Entäuschung. Das Förderband, dass einen nach oben befördern sollte war immer noch liebevoll mit nackten Bauschalenbrettern "verkleidet" und der ganze Tunnel ist immer noch gnadenlos hässlicher Spritzbeton ohne irgendwelchen Putz.. Egal.. wir sind hier zum Skifahren, nicht um die Architektur zu bewundern, riefen wir uns ins Gedächtnis zurück. Da noch nichtmal irgendwelches Aufsichtspersonal am Förderband-Einstieg vorhanden war, halfen wir halt einer älteren Dame auf das Band, legten unsere taschen aufs Band fuhren hoch. Oben beim Ausstieg wieder das selbe Bild...Personal? Fehlanzeige, dafür Samstags Abend um 18:30 ein ca. 4m langes und 1m tiefes Loch zwischen den Bändern und 2 Techniker, die gerade damit beschäftigt waren, einen Handlauf (wow, was für ein Fortschritt nach 1 Jahr) zu installieren, Noch kurz einen Linksknick durch eine Gummimatten-"Tür" und Baff.. wie ein Faustschlag empfing uns Hitze, Alkoholgeruch gepaart mit Schweiß und Musik, wie ich ihn in dieser Lautstärke nur aus Discotheken kenne.....Egal.. Skifahren ist angesagt.. hier sind ja nicht die Alpen....ok.. also sofort weiter richtung Kasse und Umkleide. Die Haupternüchterung folgte: Die wahnsinnige Freundlichkeit des Kassenpersonals. Zur erklärung: Wir hatten von Karstadt ermäßigungs-Gutscheine erhalten und legten sie auch beim Bezahlen vor. Reaktion? Hmm.. ich fühlte mich wie eine Mischung aus Bittsteller und Lügner, denn die Gutscheine sollten erst nicht anerkannt werden mit dem Kommentar: "Ich arbeite hier schon so lange und diese Gutscheine gibt’s bei uns nicht" – aha, hab ich also selbstgedruckt? – 2. Kassiererin zu Rate gezogen, Ergebnis: "doch doch.. die gibt’s, aber die waren nur letztes Wochenende gültig" – aha – "und warum steht auf diesen Gutscheinen dann bei der Ablauffrist das Datum des kommenden Wochenendes?".. konnte uns niemand erklären und so erklärte man sich hochherzig mit den Gutscheinen einverstanden – ist es nicht Prima ein Bittsteller zu sein? Ich liebe den deutschen Dienstleistungsgedanken und wollte schon fast wieder fahren, doch die Sucht überwog, also schnell rein in die Klamotten und ab auf die Piste (das hier oben im Verleih noch immer Bierzeltgarnituren als Sitzmöglichkeiten stehen, soll vermutlich die gerade angelaufene Oktoberfest-Aktion unterstreichen, oder? aber das haben wir dann kaum noch wahrgenommen). Endlich... rund 640m Piste lagen vor uns. Diese waren dann auch in einem sehr guten Zustand. Vor allem, wenn man bedenkt, das wir mittlerweile 19:00 hatten auf einem Samstag, der ja einer der Hauptgeschäftstage darstellt, war der Zustand sogar recht beeindruckend stabil. Lediglich an ganz vereinzelten Stellen auf der "Ideallinie" fand man harrschige Stellen, die halt druch die Leute abgerutscht waren, aber diese ließen sich locker umgehen.
Nun.. nach durchschnittlich 45sec. war der Spaß aber leider wieder vorbei (so lange braucht man unter Ausnutzung der Hallenbreite als geübter Skifahrer für die Abfahrt) und der Aufstieg beginnt wieder. Hier setzen die Bottroper auch wieder Förderbänder ein, was im allgemeinen recht Funny ist und durch die gleichbleibende Muskelanspannung dann auch irgendwie mit zur Abfahrt zugezählt werden kann, da richtige Entspannung wie in einem Lift halt nicht möglich ist. Das Problem ist aber: interessanterweise gibt es eine Menge Skianfänger, die hier ihre ersten Linien in den Schnee ziehen und die haben numal nicht so ein ausgeprägtes Gleichgewichtsgefühl, wenn ihre Füsse auf ca. 1,70m verlängert sind und so dauert die Fahrt, die ansich schon ca. 4-5min. geht meist so um die 6-7 Minuten, weil wieder an irgendeiner Stelle jemand vom Förderband gepurzelt ist und daher das Teil anhalten muß. Ach ja. Klaustrophoben sei dieser Aufstieg abzuraten, da wir uns wieder mal in einem Roh-Betontunnel befinden. Für Abwechslung sorgen nur ein paar Werbeplakate von Dolomitisuperski, welche man aber spätestens bei der dritten Aufahrt auswendig kennt.
Ach ja, bevor ichs vergesse, ja, ich oute mich, ich bin Raucher und dieser Sucht wollte ich mich dann auch irgendwann mal zwischendurch hingeben, was macht man also? Skier abschnallen, raus aus der eigentlichen Halle, 25m runter laufen durch den verleih und die Kassen, an der anderen Seite wieder 25m rauf bis zur ersten Bar und man kann eine Rauchen. Ach ja, was trinken kann man doch auch gleich... na ja.. kann man, wenn man es schafft, der Bedienung durch Fingerzeigen auf das gewünschte Getränk seinen Wunsch zu äußern, denn genau an der Bar war eine weitere Box angebracht, die jegliche Unterhaltung schon im Ansatz abwürgte.
Der Fairness halber sei aber erwähnt, dass man unter der Woche abends die größten negativ-Punkte (übermäßige Lautstärke, Geruch) nicht vorfindet! Das haben wir also extra auch nochmal getestet!
Resummé: Diese Anlage kann und will auch nicht die realen Berge ersetzen. Das muß einem klar sein, aber um mal seine Sucht nach Schnee zu befriedigen ist die Anlage unter der Woche gut zu gebrauchen, Am Wochenende ist sie aber nur denjenigen zu empfehlen, deren Mittelpunkt Party ist und die Piste nur eine Randerscheinung darstellt, halt "Erlebnisgastronomie". Für Anfänger ist die Piste ebenfalls im oberen Bereich zu empfehlen, da hier auch der Aufstieg nicht so schwer ist. Das Förderbandprinzip ist jedoch für absolute Anfänger nicht empfehlenswert. Wenn man Ski testen möchte ist diese Anlage sogar sehr empfehlenswert, da hier eigentlich weitestgehend gleichbleibende Bedingungen vorzufinden sind, die einen direkten Vergleich sehr schön möglich machen.
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