D'rum prüfe, bevor sich ewig binde
Genau. Und aus eben diesem Grund nehmen wir jedes Jahr zur Eröffnung der neuen Ski-Saison an einem absolut bemerkenswerten Event teil. Dem "Gletscher Testival" der Firma SportScheck, welches jedes Jahr am 2. Oktoberwochenende auf dem Stubaier Gletscher stattfindet.
Die "Location"
Der Stubaitaler Gletscher.
_/_/_/ Gletscher Testival \_\_\_
Was verbirgt sich dahinter?
Das Sportunternehmen "Sport Scheck" bietet Skifahrern und Snowboardern seit vielen Jahren die Möglichkeit, pünktlich zum Start der Wintersaison, die aktuellen Modelle der neuen Saison zu testen. Dabei beschränken sie sich nicht nur auf die angesagten Skier, Snowboards, sondern es sind auch Bekleidungs- und Zubehörfirmen aktiv beteiligt. Wenn ich dabei die Firmen erwähne. Sie sind nicht nur durch ihre Modelle vertreten, sondern engagieren sich selber aktiv an diesem Event.
Welche Unternehmen sind an diesem Event beteiligt?
Ich möchte hier nicht eine dieser Listen bringen, daher einfach nur die Information, dass quasi alle stark auf dem Markt vertretenen Marken präsent waren. Auf dem Skisektor fehlten von den "Größeren" lediglich Nordica, Scott, Dynastar, alle anderen waren da. Was ich aber besonders begrüße ist, dass die Unternehmen nicht nur ihre Topmodelle zu diesem Test mitbringen, sondern auch die Modelle, die eher was für den "Otto-Normalverbraucher (und -Verdiener) sind. Als Beispiel möchte ich da einfach mal Salomon nennen, die nicht nur die Crossmax10 anboten, sondern auch die 7er und 8er, oder ATOMIC die ebenfalls ihre Supercrosser in den Serien SX7, SX9 und SX11 bereit hielten.
Es ist also für jeden etwas dabei und somit ist dieser Test nicht nur was für absolute Spitzenfahrer, sondern für wirklich jede Könnensstufe und jeden Fahrstil. Alleine ATOMIC "schleppte" insgesamt über 50 Paar Ski auf den Berg in allen möglichen Modellreihen und Längen. Wobei nicht alle Firmen so erstklassig besetzt waren. In meinen Augen schwächelten Head und Rossignol diese Jahr ein wenig, die nur ausgewählte Modelle bereit hielten und in verschiedenen Längen sogar nur je 1 Paar Ski hatten, wodurch es bei einigen Modellen doch zu erheblichen Wartezeiten kam.
Laut SportScheck gab es insgesamt knapp 3000 Produkte zum testen!!!
Wieso ist das überhaupt ein Event?
Berechtigte Frage. Wieso nennt man dieses Gletscher Testival nicht einfach nur Skitest (bzw. Snowboardtest)? Ganz einfach, wegen dem Drumherum, den Aufwand und den ganzen Schneeverrückten, die sich dort treffen.
SportScheck bietet nicht einfach nur einen gut organisierten Test an, sondern es handelt sich bei dem Test-Center vielmehr um ein kleines Dorf, in dem jeder Hersteller sein eigenes Zelt hat, ergänzt durch einige Sponsoren, die die bekannten kleinen Spielchen veranstalten und sogar eine Bühne von Radio-Tirol ist vertreten. Gleichzeitig dreht sich das ganze Testdorf um eine Eisbar, wo man auch einfach in den bereitgestellten Liegestühlen die Atmosphäre genießen kann.
Außerdem endet der Test nicht einfach mit Liftschluss, sondern geht in Neustift, im Ort weiter, mit Apres-Ski und anderen zusätzlichen Angeboten. Am Samstag Abend dann gibt Sportscheck immer eine große Party, die die letzten Jahre Open Air war, diese Saison jedoch in 2 Discotheken veranstaltet wurde.
Was kostet denn so was?
Der Test selber kostet 10 Euro für das komplette Wochenende (Freitag-Sonntag). Nein, ich hab mich nicht verschrieben, es sind wirklich nur 10 Euro, aber damit nicht genug, Sportscheck selber hat noch für jeden Teilnehmer ein Geschenk! Dieses mal waren es Skisocken, davor das Jahr gab es kostenlos eine Skischuh-Tasche. Also ein absolut unschlagbares Preis-Leistungsverhältnis. Wobei man durch die anderen "Sponsoren" auch noch ne Menge Give-Aways "abstauben" kann. Das Teuerste an dieser Veranstaltung ist wohl der Skipass, der mit ca. 130 Euro zu Buche schlägt, während die Unterbringung mit durchschnittlich 25 Euro für Übernachtung-Frühstück, bei ein wenig Suche im Web vollkommen OK ist. Auch die Kosten fürs leibliche Wohl sind recht überschaubar.
Wir haben mit 2 Personen zusammen für das kpl. Wochenende, inkl. Spritkosten (Bochum-Stubaital-Bochum) knapp 500 Euros berappen müssen (also 250€ pro Nase). Für 3 Tage Skifahren, schlemmen, Spaß haben ein Preis, der in unseren Augen absolut klar geht.
_/_/_/ Und "unser" Test? \_\_\_
Na ja, ich sichte eigentlich schon vor dem Test die diversen Angebote der einzelnen Hersteller und lege mir eine Art "Plan" zurecht, was ich so alles testen möchte. Im "Normalfalle" kommen dann so um die 10-15 Modelle zusammen, wobei....meist endet das in einem verdammt engen Zeitplan und hohes Testpensum, dass ich eh meist nach dem 2., 3. Test wieder verwerfe, mangels Kondition, oder verfügbares Material.
Dieses Jahr jedoch war eigentlich alles anders als geplant. Es fing schon mit der Vorbereitung und Buchung an. Bis zur letzten Saison konnte man bequem über Sport Scheck direkt buchen. Man erhielt dann für alles diverse Vouchers und brauchte sich nur noch um das leibliche Wohl sorgen. Für alles andere hatte man ja die Gutscheine. Dieses Jahr jedoch buchte man das Hotel über das Tourismusbüro Neustift, oder halt individuell übers Web, kaufte sich ganz normal eine Liftkarte und checkte erst oben im Testcenter zum Testprogramm ein. Das führte wohl bei einigen zu Missstimmung, bzw. zu Unverständnis, so dass es insgesamt dieses Jahr über 200 Leute weniger waren, die sich den Skitest gegönnt haben.
Dadurch, dass wir bereits letztes Jahr Telefonnummer und Mailadresse unseres damaligen Domizils mitgenommen hatten, wollten wir gleich direkt dort buchen, doch das war eine Fehlanzeige, da diese Unterkunft kpl. durch das Völkl-Team ausgebucht war. Glücklicherweise hatte die Hotelbesitzerin aber eine Freundin, die noch Zimmer frei haben sollte, also kurzer Anruf und die Unterkunft perfekt gemacht.
Einmal angekommen stellte sich heraus, dass es sich um eine winzigkleine, sehr rustikale Frühstückspension handelt, doch das sollte uns nicht weiter stören, wir kommen über so ein Testwochenende auch prima ohne Fernsehen aus und Dusche/WC waren auf dem Zimmer, also was will man mehr.
Doch bevor wir hier in Bochum loskamen, stellte sich die nächste Hürde dar: ein Platten in den frisch aufgezogenen Winterreifen am Nachmittag vor der Abfahrt, quasi beim Packen entdeckt. Also was tun? Einfach wieder die Sommerreifen aufgezogen und hoffen, dass der Schnee noch nicht bis ins Tal gezogen ist. Und so ging es dann mit mulmigen Gefühl los zum Stubaital.
Da der Skitest erst Freitag-Mittag beginnt, haben wir uns auf dem Zimmer erst ein wenig ausgeruht und sind dann hoch zur Talstation. Unser Glück schien uns bis dahin Hold zu sein, lag doch wirklich noch kein Schnee im Tal und auch an der Liftstation alles in Ordnung. Nun mussten wir uns halt nur in die lange Schlange derer einreihen, die auch gerade erst ankamen. Aber nach einer knappen halben Stunde war auch diese Hürde gemeistert und wir konnten hoch auf den Berg. Oben angekommen wurde uns dann zum ersten mal bewusst, was wir doch für einen heißen Sommer hatten. so viel Schnee wie in den letzten Jahren war einfach nicht da, so dass man irgendwelche Off-Piste-Tests getrost streichen konnte.
Die "Rezeption" von Sport Scheck war auch nicht so überlastet und so erwarteten uns super gut gelaunte Service-Leute zum Check-In. Also flux alle Angaben gemacht (Sohlenlänge, bevorzugter Fahrstil, Z-Wert, etc.) und ab ging's ins "Testdorf". Da es noch nicht zu voll war, sind wir gleich mal losgezogen, die ersten Skier sichern und zur ersten Auffahrt aufzubrechen. Es sollten zum Einschwingen gleich mal die Skier sein, die mich im letzten Jahr so restlos überzeugen konnten, dass ich sie zu meinen persönlichen Skiern des Jahres wählte, den neuen Crossmax10. Also ab zum Salomonstand, Skier anpassen lassen und ab auf den Berg.
Oben dann angekommen, konnten (mussten) wir dann feststellen, wie wenig Schnee wirklich gefallen war. Es erwartete uns direkt zum Pisteneinstieg eine ca. 20-25m lange Eisplatte, gespickt mit Steinen, die jetzt schon aus dem Eis schauten und das ganze endete dann in Kniehohen Schneeverwerfungen. OK, es gibt nun mal keinen Alternativeinstieg und so mussten wir halt da runter. Mit ein paar Wacklern kamen wir auch super runter und wir konnten den Test fortsetzen. nach ein paar Runden über andere Pisten, machten wir dann Mittagspause und gingen danach wieder rüber zum Testcenter, der immer noch bemerkenswert leer war. Diesmal nahm ich mir die Fischer RC4 SL-Worldcup, also das aggressivste, was Fischer so zu bieten hat. Meine Frau entschied sich für die neuen Skiercross-Modelle von Head. Also wieder hoch zu diesem unsäglichen Pisteneinstieg. Oben wieder angekommen, mussten wir feststellen, dass sich die Situation noch vielfach verschlechtert hat. Zudem versuchten nun wirklich zig Leute da runter zu kommen, was zu einem echten Stau ausuferte. Oben standen die Leute eng beieinander, jeder suchte sich "seine" Linie und unten konnte man die Leute hoffnungslos runterrutschen sehen. Unangenehm, diese vielen Menschen stürzen zu sehen. Meist lagen so 5-6 Leute gleichzeitig an dieser Schneehaufenkante.
Ich wollte gerade noch nach meiner Frau gucken, da sehe ich, wie sie gerade in den Eishang einbog. Zwei, vielleicht drei Schwünge später kam sie dann mit einem Ski auf einen Stein, verdrehte sofort, der Ski löst blitzartig aus und meine Frau fliegt mit einem Salto in den Schnee. Nur.... im Gegensatz zu vielen anderen stand sie nicht mehr auf, sondern blieb liegen. Ich bin dann direkt zu ihr runter und sicherte die Unfallstelle, ein weiterer Skifahrer benachrichtigte die Pistenrettung, während sich ein dritter, erfahrener Skifahrer bereits um meine Frau kümmerte. So wie es ausschaute war es wohl eine Bänderverletzung im rechten Fußbereich, denn diesen konnte sie nicht mehr ohne Schmerzen bewegen. Die Pistenrettung war nach verdammt langen – glaubt mir, es sind Ewigkeiten wenn man selber in der Situation ist – 5 Minuten vor Ort und verlud meine Frau, ihre Skier und mich in einen Pistenbully und wir sind runter zur Sani-Station. Nun musste meine Frau direkt von dort runter zum Arzt, während ich die Skier erst noch zum Testcenter zurückbringen musste. Ich kann euch sagen Slalom-Racing-Modelle auf abgefahrener Piste mit 2 Paar Skistöcken und dann noch ein Paar weiterer Ski auf den Schultern fahren sich nicht wirklich toll, vor allem, wenn man gedanklich noch bei seiner Frau ist, die ja gerade auf dem Weg zu Tal ist. Interessanterweise war ich aber scheinbar schneller als erwartet, denn nachdem ich die Skier abgeliefert habe und selber runter ins Tal gefahren bin, um meiner Frau zum Arzt zu folgen, konnte ich noch ein wenig Smalltalk mit den Sanis halten. Man muss sich immer vor Augen halten, dass man einen Liegendtransport mit einer Standardgondel nicht so einfach bewerkstelligen kann. Es muss erst eine spezielle Gondel eingehangen werden, die entsprechende Transport-Länge bietet.
Na ja.. kurz und bündig:
Meine Frau wurde dem lokalen Arzt von Neustift übergeben, der mit der Bergrettung zusammenarbeitet. Der diagnostizierte eine Bänderdehnung und eine schwere Stauchung des Gelenks mit evtl. Ausbruch eines Teils vom Schienbein. Ich wollte schon auf direktem Wege nach Hause, aber meine Frau bestand absolut darauf, das ich zumindest den Test weitermachen sollte, während sie oben auf der Gamsgarten-Hütte die Sonne genießen wollte.
Das haben wir auch dann so gemacht – MERKE: Widerspreche niemals einer Frau, das gibt nur endlose Diskussionen, bei denen die Frau interessanterweise immer gewinnt – und ich muss unbedingt loswerden, dass das Personal vom Stubaier Gletscher mit Abstand das Beste ist, was wir jemals erlebten.
Absolut jeder kümmerte sich um meine Frau, was soweit führte, dass man uns einen Schlitten kostenfrei zur Verfügung stellte, damit meine Frau auch bis zum Testcenter konnte und sie selbst im SB-Restaurant bedient wurde. Also vielleicht über diesen Weg auch noch mal ein super-liebes Dankeschön an das Personal vom Gamsgarten!!!
Ich möchte da auch das Team von SportScheck nicht unerwähnt lassen, dass mich tatkräftig dabei unterstützte, meine Frau auf ihrem Schlitten zum Testcenter zu transportieren und für ihr Wohl während meiner Abwesenheit sehr sorgte!!!
Ich testete die restlichen Tage dann weiter, allerdings mit gebremsten Schaum, irgendwie war ich gedanklich immer noch ein wenig bei meiner Frau. Außerdem ließ die Hauptpiste weiter zu wünschen übrig. Mich hat's auch im Pisteneinstieg noch mal heftig geschmissen, aber ohne ernste Blessuren, ganz im Gegensatz zu meiner Frau und der jungen Snowboarderin, der wir dann auch vereint erste Hilfe leisten mussten. Sie ist auf der Eisplatte nach vorne gefallen und dann bäuchlings die komplette Platte runtergerutscht bis zum ersten Schneehaufen. Dort liegengeblieben – quasi direkt vor meinen Füssen – mussten wir feststellen, das sie sich eine üble schnittwunde den Oberkörper runter zugezogen hat. ein Stein der aus der Piste ragte, hat den kpl. Anorak eingeschnitten was durchging bis in die Haut. Na ja... abends haben wir dann gemeinsam gefeiert, Sie mit Riesenpflaster und meine Frau mit Gips.
Abschließend kann ich aber sagen, dass dieses Event wie immer klasse organisiert war und wir auch zum nächsten Saisonstart garantiert wieder mit dabei sind. Hoffentlich dann unfallfrei und mit mehr Schnee.
Gab es denn zum eigentlichen Event nichts negatives zu sagen?
Nein, von Sport Scheck wurde ein super Job hingelegt und es stimmte einfach alles, der einzige Kritikpunkt an SportScheck bezieht sich auf das komplizierte Buchungssystem sowie den Tourismusverband, der gleich mal eben für dieses Wochenende die Tarife der Hauptsaison für die Skipässe verlangten.
_/_/_/ Nachtrag \_\_\_
Meiner Frau geht’s übrigens wieder ganz gut und wir fahren am 24.1. nach Ischgl zu einem ausgiebigen Skiurlaub. Natürlich mit gebremsten Schaum, da meine noch nicht so weit fit ist, als dass wir mit dem Teufelchen auf der Schulter rumdüsen konnten.
Ach so, ihr fragt euch, was meine Frau denn nun wirklich hatte? OK, alle Bänder im rechten Fuß gerissen, Wadenbein gebrochen, Aussprengung eines Knochenstücks aus dem Sprunggelenk und Anriss der Achilles-Sehne. Also vollkommene Falschdiagnose des Neustifter Arztes.
In diesem Sinne mehr oder weniger von meiner Frau gesprochen: Auch ein heftigerer Unfall sollte einen nicht abhalten, wennman so ins Skifahren und die Berge verliebt ist
Und von mir?
Wenn ihr wirklich mal ausgiebig Skier oder Snowboards in einer absolut tollen Umgebung testen wollt, fahrt zum Gletscher Testival am 2. Oktoberwochenende, es lohnt sich wirklich.
Schneereiche Grüße vom ollen Balubären
PS: Ich habe übrigens immerhin noch 8 Paar Ski ausgiebig getestet, aber dazu mehr in den entsprechenden Rubriken ;-)
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